Von Venedig nach Elbflorenz: Die Lieder Salomons neu entdeckt
Le Bois Chantant und Alberto de Campo
Nächstes KonzertDo 26.11.26Das Wunderkind und der Wiederentdecker19:30 Uhr, Jüdische Kultusgemeinde Dresden, Dresden (Eisenbahnstraße 1, 01097 Dresden)
Venedig um 1610: eine Stadt voller Sprachen, in der jüdische Kantoren und deutsche Reisende aufeinandertreffen – und einander nachahmen. Hier erscheint 1623 Salamone Rossis „Lieder Salomons“: hebräische Liturgie in der Kunstsprache italienischer Mehrstimmigkeit, wo seit Jahrhunderten eine einzige Stimme genügte. Le Bois Chantant, ein Berliner Ensemble für vokale Renaissance-Improvisation, singt diese Sätze nicht ab, sondern erfindet sie weiter – ohne Noten, nach historischen Regelwerken, aus denen Gegenwartsmusik entsteht. Alberto de Campos Polyharpye antwortet mit mikrotonalen Resonanzen, die jede Improvisation an den Rand des Zusammenbruchs bringen können: ein Spiel mit dem Wind. Dazu Banchieris Karikaturen einer Schiffsreise nach Padua und Sermisys Chanson „Je ne menge point de porc“. Der Sound der Serenissima, vierhundert Jahre später – wie er klingt, weiß vorher niemand, auch die Sängerinnen und Sänger nicht.